
Outdoor-Trainerin
Wie finde ich genau den richtigen Herausforderungsgrad einer Aktion, um einer Gruppe dabei zu helfen, ein besseres Team zu werden? Hier lesen Sie, wie ich das während meiner Erlebnispädagogik-Ausbildung gelernt habe
Lernen durch Erfahrung
Erlebnispädagogik wirkt, weil sie Lernen vom Kopf in die Erfahrung verlagert. Sie verbindet Handeln, Emotion und Reflexion – und genau dadurch entstehen nachhaltige Entwicklungsprozesse.
Menschen erleben: Ich kann etwas bewirken und ich kann mir selbst vertrauen. Wenn Teams gemeinsam Herausforderungen lösen, wächst Vertrauen in die eigene Kompetenz und in die Gruppe. Wenn ich mich etwas neues traue oder etwas kann, wird meine Selbstwirksamkeit gestärkt und damit meine intrinsische Motivation und Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme.

Transfer in den Arbeitsalltag
Statt Inhalte nur zu hören, erleben Teilnehmende konkrete Situationen. Beim Kistenklettern habe ich Angst und bin frustriert, dass die Kisten so geworfen wurden, dass ich sie nicht fangen kann. Beim Schneeschuhwandern bin ich körperlich erschöpft und merke, dass ich trotzdem mein Team mit Kartenlesen sicher ans Ziel lotse.
Beim Seilbrückenbau haben Kleinteams je ein Bauabschnitt zu verantworten. Alle Abschnitte müssen am Ende miteinander funktionieren, wir sind wir aufeinander angewiesen. Es fällt uns schwer, die Worte zu finden, um zu erklären, was wir meinen. Wir haben typische Sender-Empfänger-Probleme und überlegen später, wo wir das im Arbeitsalltag auch haben und wie wir dem begegnen können.
Wir wachsen über uns hinaus. Wir erleben Frust, Mut, Stolz, Zusammenhalt, Unsicherheit, Verantwortung, Druck. Unser Gehirn speichert diese emotionale Erfahrungen deutlich nachhaltiger als reine Theorie. Erkenntnisse werden dadurch tiefer verankert und zu Erfahrungswissen, was ich durch den Transfer mit in den Alltag nehme.

Wie wirkt Erlebnispädagogik
In erlebnisorientierten Settings zeigen sich Kommunikationsmuster, Rollenverteilungen, Konfliktstrategien und Führungsverhalten sehr klar. Dynamiken, die im Arbeitsalltag oft verdeckt bleiben, werden erlebbar und damit bearbeitbar.
Wenn über diese Erlebnisse gesprochen wird, dann werden aus Erfahrungen Erkenntnisse, die ich für zukünftiges Verhalten mitnehme. In diesem bewussten Auswerten entsteht der Transfer: Was heißt das für unseren Arbeitsalltag? Was brauchen wir, was wollen wir behalten, was wollen wir ändern?
Erlebnispädagogik wirkt:
Stärkung von Vertrauen
Klarere Kommunikation
Bewusstere Rollenklärung
Höhere Entscheidungsfähigkeit
Mehr Verantwortung im Team
Steifgerung der sozialen Kompetenz und Selbstwirksamkeit
Erlebnispädagogik ist deshalb kein „Event“, sondern ein strategisches Entwicklungsinstrument, das wirkt ¹, ²

Wie habe ich das gelernt?
Gruppen professionell und zielgerichtet anzuleiten erfordert fundierte Ausbildung und kontinuierliche Praxis. Diese Grundlage habe ich mir in mehr als zwanzig intensiven Seminartagen erarbeitet, in denen ich mich systematisch mit Konfliktmanagement, Erlebnispädagogik und Fachsport, Moderation, Präsentation, Feedbackprozessen sowie Kurskonzeption und Evaluation auseinandergesetzt habe. In über 80 Praxistagen habe ich Kurse durchgeführt und wurde dabei von erfahrenen Ausbilder*innen begleitet und beobachtet. So habe ich gezielt an meiner Didaktik und Methodik gearbeitet und mein eigenes Trainerinnenverhalten und weiterentwickelt.
Jede Methode wird konsequent aus den Zielen meiner Kund*innen abgeleitet. Ausgangspunkt ist stets die Frage: Welche konkreten Kompetenzen sollen gestärkt werden – Kommunikation, Vertrauen, Verantwortungsübernahme, Entscheidungsfähigkeit oder Führung im Team? Darauf aufbauend wähle ich die passenden Formate und setze die richtigen Stellschrauben, um ein Team gezielt und im angemessenen Maß zu fordern.

Was biete ich
Ob Nachtwanderung, Abseilaktion oder Floßbau: Die eingesetzten Methoden sind kein Selbstzweck, sondern bewusst gestaltete Lernräume. In diesen Settings werden Teamdynamiken sichtbar, Rollen klären sich und Führung wird unmittelbar erlebbar.
Mit diesem Ansatz habe ich unter anderem Auszubildende von Vattenfall, Hochschulen, Mercedes-Benz, Daimler und Bosch begleitet. Die erlebten Herausforderungen wurden anschließend systematisch reflektiert und konsequent auf die Unternehmensziele übertragen: Wie treffen wir Entscheidungen? Wie gehen wir mit Fehlern um? Wie übernehmen wir Verantwortung? Welche Kommunikationsmuster stärken – oder schwächen – unsere Zusammenarbeit?
Durch die Reflexion und die Transfervereinbarungen für den Arbeitsalltag wir aus einem Erlebnis echte Team- und Personalentwicklung

¹ Kümmel, U., Hampel, P. & Meier, M. (2008): Einfluss einer erlebnispädagogischen Maßnahme auf die Selbstwirksamkeit, die Stressverarbeitung und den Erholungs-Beanspruchungs-Zustand bei Jugendlichen. Zeitschrift für Pädagogik 54 (4),555-571
² Michael Bieligk: Erlebnispädagogik in der Halle. https://www.ifss.kit.edu/foss/download/2_TVM_31_Bieligk_Freizeitpaedagogik.pdf?